Bahá’í World/Volume 7/Aus dem Leben des Báb

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AUS DEM LEBEN DES BÁB

ENTNOMMEN UND ZUSAMMENGESTELLT AUS "NABÍL’S NARRATIVE” FÜR DIE 5. BAHÁ’Í SOMMERWOCHE 1936, IN ESSLINGEN

VON ERNA SCHMIDT

"Bahá’u’lláh eng verbunden und, wenn auch untergeordnet im Rang, doch beliehen mit der Vollmacht, mit Ihm zusammen über den Geschicken dieser höchsten Sendung zu thronen, leuchtet in diesem geistigen Bilde die jugendliche Herrlichkeit des Báb in Seiner unendlichen Zartheit, unwiderstehlich in Seiner Anmut, unübertroffen in Seinem Heldentum, einzigartig durch die dramatischen Begebnisse Seines kurzen, doch ereignisreichen Lebens.”—SHOGHI EFFENDI.1

GEGEN die Mitte letzten Jahrhunderts war in Persien ein bestimmter schiitischer Kreis erfüllt von sehnlichem Erwarten auf den Verheissenen, der nach Weissagung zu dieser Zeit erscheinen werde. Besonders stark wogte die Erwartung und die Sehnsucht in dem Herzen Mullá Ḥusayn’s. Er machte sich deshalb sofort nach dem Tode des Siyyid Káẓim, der vor allem von dem baldigen Erscheinen des Verheissenen gesprochen hatte und der sein Lehrer gewesen war, auf, um Ihn zu suchen. Die andern Anhänger des Siyyid, die er aufforderte, gleich ihm hinauszuziehen und den Verheissenen zu suchen, lehnten es mit ausweichenden Antworten ab. So ging denn Mullá Ḥusayn, nur von seinem Bruder und Neffen begleitet, nach Shíráz. Während der Reise verbrachte er 40 Tage in Beten und Fasten und bereitete sich so auf das heilige Erlebnis vor, das ihm bald widerfahren sollte. Vor den Toren der Stadt Shíráz verabschiedete er sich von seinen bieden Begleitern und gab der Hoffnung Ausdruck, dass sie sich zum Abendgebet wieder zusammenfinden würden. “Gerade an diesem Tage, wenige Stunden vor Sonnenuntergang, während er ausserhalb des Tores der Stadt einherging, fielen seine Augen plötzlich auf einen jungen Menschen mit strahlendem Angesicht, der ihn, als er auf ihn zuging, mit einem Lächeln liebevollen Willkommmsiens grüsste. Er umarmte Mullá Ḥusayn mit gütiger Zuneigung, als ob er sein nächster und lebenslänglicher Freund gewesen wäre. Mullá Ḥusayn hielt ihn zuerst für einen Anhänger von Siyyid Káẓim, der, von seinem Kommen nach Shíráz unter richtet, aus der Stadt kam, um ihn willkommen zu heissen.” Höchst erstaunt war er aber, als er gewahr wurde, dass er diesen jungen Menschen in keiner Weiss kenne und trotzdem von ihm in Sein Haus geladen wurde, um sich von der Reise zu erfrischen. Als Mullá Ḥusayn zögerte, Seiner Einladung Folge zu leisten, da er sich doch mit Seinen Begleitern wieder treffen wollte, ermutigte ihn der junge Fremde: "Vertraue sie der Obhut Gottes an, Er wird sie sicherlich beschützen und über ihnen wachen.” Mullá Ḥusayn wurde in dem einfachen Hause des jungen Mannes mit so vie] Liebe und Aufmerksarnkeit umgeben. Er war tief beeindruckt von der vornehmen und doch zwingenden Art und Weise, in welcher Er zu ihm sprach. Sein Gang, der Wohlklang Seiner Stimme und die Würde Seiner Haltung beeindruckten ihn tief. Im Laufe des Gesprächs machce Mullá Ḥusayn seinen Gastgeber mit dem Ziel seiner Reise bekannt und als Mullá Husayn auf die besonderen Kennzeichen und Merkmale des Verheissenen zu sprechen kam, sagte Er nach einer Pause: “Siehe, alle diese Zeichen sind in Mir offenbar!” Er wies auf jedes der erwähnten Kennzeichen besonders hin und

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1Aus: “The Dispensation of Bahá’u’lláh” von Shoghi Effendi.

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legte überzeugend dar, dass jedes und alle auf Seine Person anwendbar wären. Mullá Ḥusayn machte daraufhin die in ihm aufkommenden Zweifel geltend, doch kaum hatte er sie geäussert, als eine tiefe Reue ihn darob ergriff, und er in seinem Innern beschloss, mehr Demut, Zurückhaltung und Glauben diesem edlen Menschen gegenüber walten zu lassen. Immer mehr wurde er von der unsagbar grossen Güte und Erhabenheit seines Gastgebers ergriffen, und als dieser die zwingenden Beweise Seiner grossen Sendung von Gott kundgab, War Mullá Ḥusayn so sehr davon überwältigt und überzeugt, dass er in einen Zustand verfiel, in dem er nicht mehr ganz auf dieser Erde zu sein glaubte.

Seine eigenen Worte über dieses grosse Erlebnis waren: "Diese Oflenbarung, die so plötzlich und ungestüm auf mich hereinstürzte, kam wie ein Blitzstrahl, der eine Zeitlang meine Sinne betäubt zu haben schien. Ich war geblendet durch die strahlende Herrlichkeit und überwältigt durch ihre bezwingende Kraft. Erregung, Freude, Ehrfurcht und Staunen, rüttelte das Ihnerste meiner Seele auf.

Ich fühlte mich im Besitze von solchem Mut und solcher Kraft, dass ich der ganzen Menschheit zurufen möchte: Erwache, denn siehe! Das Morgenlicht ist angebrochen. Erhebet euch, denn Seine Gnade ist geoffenbart. Das Portal Seiner Gnade ist weit geöffnet, tretet herein, o Völker der Welt! Denn Er, der euch Verheissene, ist gekommen!”

Die Offenbarung des Báb geschah in der Nacht des 23. Mai 1844, und Er selbst sagte darüber zu Mullá Ḥusayn: "Diese Nacht, ja diese Stunde wird in kommenden Tagen als eines der grössten und bedeutendsten aller Feste gefeiert werden. Danke Gott, dass Er dir gnädig beigestanden hat, um deines Herzens Sehnsucht zu erfüllen, und dass Er dir von dem versiegelten Wein Seiner Sprache zu trinken gegeben hat. Wohl denen, die dazu gelangen.”

Nun war der Verheissene gefunden und Er hatte sich geoffenbart. In kurzer Zeit erkannten besonders suchende und gläubige Seelen oft auf ganz wundersame Weise die Sendung des Báb. Sie wurden die Buchstaben des Lebenden genannt. Achtzehn waren es an der Zahl, die zu den auserwählten Glaubensboten des Báb, zu Werkzeugen Seines Glaubens und zu Verbreitern Seines Lichtes bestimmt waren.

Der Báb, dessen bürgerlicher Name ‘Alí-Muḥammad ist, zeigte schon in früher Kindheit ausserordentliche Fähigkeiten, die Seine Lehrer in Erstaunen setzten. Es ging sogar soweit, dass die Lehrer sich unfähig fühlten, Ihn zu lehren, da Er eine grösser Kenntnis besass, als sie selbst. Sie brachten Ihn deshalb wieder zurück zu Seinem Onkel, der Ihn in seinem Geschäft aufnahm.

Mit etwas 22 Jahren trat der Báb in die Ehe. Das einzige Kind, das daraus geboren wurde, starb nach kurzer Lebenszeit. Bei dem Heimgang des Knaben kam kein Klagen über die Lippen des Vaters. Er pries vielmehr Gott und wünschte sich noch tausend Ismaele, um einen und jeden als ein Liebesopfer Gott darbringen zu können.

Die grosse Botschaft des Báb verbreitete sich immer mehr durch die unermüdliche Täitigkeit Seiner Anhänger und durch Sein eindruckvolles Auftreten. Aber je grösser der Kreis der Anhänger wurde, je mehr Feinde umgaben ihn. Unbeschreiblich gross waren die Leiden, die der Báb und die Gläubigen erdulden mussten. Immer neue Schliche wurden ersonnen, um das Volk gegen den neuen Glauben aufzuhetzen und um die Wahrheit zu verschleiern. Doch grosse Duldsamkeit und heroisches Entgegennehmen der oft unmenschlichen Leiden und Foltern zeichnete den Báb und Seine Anhänger aus. Es gab für sie kein feiges aus dem Wege gehen. So war eine Eskorte von der Regierung beauftragt, den Báb einzufangen und Ihn vor die Augen des Statthalters Ḥusayn Khán zu bringen, der schon einige der Gläubigen auf furchtbarste Weise zu Tode hatte martern lassen. Der Führer dieser Eskorte erzählte folgendes: “Nachdem wir die dritte Etappe unseres Weges nach Búshihr hinter uns hatten, begegenten wir mitten in der Einöde einem jungen Mann. Er war zu Pferd, gefolgt von einem Diener, der Seine Habe bei sich trug. Als wir uns Ihm näherten, grüsste Er uns und frug uns nach dem Zweck unserer Reise. Ich hielt es für das Beste, Ihm die Wahrheit zu verschweigen und erwiderte, dass wir in diese Gegend auf Befehl des Statthalters von Fárs

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Bahá’í celebration of Naw-Rúz, inaugurating the 93rd year of the Bahá’í Era, Los Angeles, California, U. S. A., March 21, 1936

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geschickt seien, um gewisse Nachforschungen anzustellen. Er bernerktc lfichelnd: Der Statthalter hat euch gesandt, um Mich gefangen zu nehmen. Hier bin Ich, tut mit Mir, was ihr wollt. Durch Meinen Entgegenritt habe Ich euren Weg gekiirzt und habe es euch leichter gemacht, Mich zu finden.” Ich war starr fiber Seine Worte und wunderte mich fiber Seine Aufrichtigkeit und Gerardheit. Ich konnte mir Seine Bereitwilligkeit nicht erklfiren, sich aus freien Stficken der strengen Disziplin der Regierungsbeamten zu unterwerfen und dabci Leben und Sicherheit aufs Spiel zu setzen. Ich suchte ihn zu fibersehen und schickte mich an wegzureiten, als Er an mich herankam und sagte: "Ich schwiire bei der Gerechtigkeit Dessen, der den Menschen erschuf, ihn von allen iibrigen Seiner Geschtipfe auszeichnete und sein Herz zum Sitz Seiner Herrschaft und Erkenntnis machte, dass Ich in Meinem ganzen Leben nur die Wahrheit gesprochen habe und keinen anderen Wunsch besitze ausser dem Wohlergehen und dem Fortschritt Meiner Mitmenschen. Ich habe Mein eigenes Wohlergehen verachtet und habe vermieden, der Anlas des Kummers und des Leids fiir irgend jemand zu sein. Ich Weiss, das ihr Mich sucht. Ich ziehe es vor, Mich selbst in deine Hand zu geben, anstatt dich und deine Genossen unniitigen Ermiidungen urn Meinetwillen auszusetzen.” Der Fiihrer der Eskorte war tief erschiittert: von diesen Worten und bat den Báb, doch zu fliehen um den biisen Absichten des Statthalters nicht ausgesetzt zu sein. Doch auf sein ernstliches Bitten gab der Báb ihm zur Antwort: “Méige der Herr, dein Gott, dich fiir deine Grossmut und fiir deine edle Absicht belohnen. Kein Mensch kennt das Geheimnis Meiner Sache; niemand kann ihre Geheimnisse ergriinden. Niemals werde Ich Mein Angesicht von der Bestimmung Gottes abwenden. Er allein ist Meine feste Burg, Mein Halt and Meine Zuflucht. Bis Meine letzte Stunde gekommen ist, kahn Mich niemand iiberfallen,‘ kann niemand den Plan des Allmiichtigen vereiteln.” Frei und ungefesselt ritt der Báb der Eskorte Shíráz voran. Ḥusayn Khán empfing den Bib mit der gréissten Unverschfimtheit. Er beschimpfte Ihn und bezichtigte Ihn, ein grosses Ungliick und Verwirrung angerichtet zu haben. Auf die Entgegnung des Báb,

Seine Botschaft zu prfifen und dann sein Urteil abzugeben, geriet er so in Wut, dass er einem Diener befahl, den Báb ins Gesicht zu schlagen. Der Schlag war so heftig, dass Seine Kopfbedeckung zu Boden fiel. Doch diese niedertréichtige Handlung fand keine allgemeine Zustirnmung unter den Anwesenden und es wurde beschlossen, den Báb nicht gefangenzuhalten, sondern Seinem Onkel die Bfirgschaft fiir Ihn zu iibertragen, der Ihn auch bis auf Widerruf in seinem Haus aufnehmen sollte. Einige Tage spiiter Wurde der Báb aufgefordert, sich wiihrend eines Gottesdienstes in der Moschee zu rechtfertigen. Er tat dies in bescheidencr Haltung, doch Seine Worte trafen die Herzen einiger Zuhiirer so sehr, dass sie sich spiiter zu Seinem Glauben bekannten.

Ḥusayn Khán gab aber nicht Ruhe, den Báb in neue Schwierigkeiten zu stiirzen. Er befahl dem Polizeipriisidenten der Stadt den Báb zu verhaften und alle greifbaren Dokumente zu beschlagnahmen. Unerschrocken und selbstbeherrscht liess sich der Báb mit Seinen anwesenden Gléiubigen gefangennehmen. Auf dem \Wege‘zu Ḥusayn Khán kam ihnen ein Zug mit Séirgen entgcgen. Als der Polizeipriisident hérte, dass in der Nacht eine furchtbare Seuche ausgebrochen sci und schon viele Menschen ihr erlegen wéiren, befiel ihn grosse Angst und er entschied sich, den Báb in seinem eigenen Hause in Gewahrsam zu halten, zumal er horte, dass Ḥusayn Khán sein Haus verlassen hatte, da auch darin die Pest wiitete. Wie entsetzt war aber der Polizeipriisident, als er vernahm, dass sein Sohn von der Seuche ergriffen und schon dem Tode nahe war. Verzweifelt warf er sich zu Fiissen des Báb, beschwor Ihn, ein Gebet fiir die Rettung seines Sohnes zu sprechen. Er bereute sein Handeln Báb gegeniiber und gelobte, nichts mehr gegen Ihn zu unternehmen, selbst wenn er hungers sterben mfisste. Der Báb der eben Sein Gesicht wusch, gab ihm von diesem Wasser und gebot Ihm, davon seinem Sohn zu trinken zu geben, dies Wiirde das Leben des Kindes retten. Und dies geschah. Daraufhin wurde der Bib freigelassen.

Der Ruhm des Báb verbreitete sich trotz stiindiger Unterdrfickung immer mehr und mehr. Die Besucher kamen unaufhérlich zu Ihm. Die einen, um ihre Neugier zu befrie [Page 671]

digen, andere um einen tieferen Einblick in die grundlegende Wahrheit des Glaubens zu gewinnen und wieder andere um bei Ihm Heilung Von ihren Leiden und Niiten zu suchen. So wurde Er von einer hohen Personlichkeit zu einem grossen Festmahl geladen. Wfihrend des Mahls brachte der Gastgeber die Bitte an Ihn vor, doch dafiir boten zu wollen, dass die Ehe seines Bruders mit einem Kinde gesegnet: werde. Daraufhin nahm der Báb ein Stiickchen Speise, driickte sie mit den Hfinden zu einem Kuchen, reichte dies Seinem Gastgeber und sagte: "Es sollen beide davon essen und ihr Wunsch wird ihnen erfiillt werden.” Durch diesen Bissen, den der Báb geschickt hatte, wurde die Frau guter Hoffnung und gebar zur gegebenen Zeit eine Tochter, mit der spiiter ‘Abdu’l-Bahá die Ehe schloss. (Sic wird heute noch der Bissen des Báb genannt.)

Des ofteren wurden dem Báb Priifungen, oft: auch heimlicher Art, gestellt, die Er immer, meist zur Beschiimung des Pri.ifenden, fiber jede Erwartung hinaus bestand. So War es einmal, dass ein Mann beabsichtigt hatte, dem Báb schwierige Fragen zu stellen, doch bei Seiner Anwesenheit waren sie alle seinem Gediichtnis entfallen und er konnte nur nebensachliches fragen. Zu seinem gréissten Erstaunen erhielt er‘ die Antwort auf seine schwierigen Fragen, die er gar nicht ausgesprochen hatte. Und doch war dieser Mann noch nicht: iiberzeugt Von der Gréisse des Báb und bei einem weiteren Zusammensein mit Ihm, hatte er in seinem Herzen die Bitte, dass der Báb fiber eine bestimmte Sure im Qur’án sprechen und sie auslegen solle. Der Bab ergriff seine Hand und sagte, dass er von Ihm verlangen konne, was immer sein Herz begehre. Er werde es ihm gerne offenbaren. Sprachlos vor Staunen war Sein Besucher und der Báb fuhr fort. “Soll Ich dir die Sure vom Kawt_}_1ar ofienbaren? wiirdest du dann erkennen, dass Meine Worte aus dem Geist Gottes entstammen?” Tiefe Reue fiber seinen seitherigen Unglauben zog in sein Herz und stark war seine Uberzeugung von der Wahrheit der Offenbarung des Báb.

Stark und tief war die geistige Verbuna denheit der Gléiubigen untereinander, vor allem aber mit dem Báb selbst. So triumte


ein hochgelehrter Einwohner der Stadt Késbén in der Nacht, ehe der Báb in dieser Stadt eintraf, dass erzuspiiter Stunde am Nachmittag am Stadttor stiinde, als er plotzlich den Báb zu Pferd erblickte. Vor und hinter Ihm waren viele Berittene, deren Obhut Er anvertraut zu sein schien. Als der Báb sich dem Stadttor nfiherte, griisste Er ihn und sprach: “Wit werden drei Néichte lang dein Gast sein, bereite dich vor, Uns zu empfangen!” Als er erwachte, war der Traum noch so lebendig vor ihm, dass er iiberzeugt war, dass diese unerwartete Erscheinung eine Mahnung der Vorsehung sei, die zu befolgen er sich verpflichtet fiihlte. Er begann, sein Haus fiir dem Empfang des Besuchers vorzubereiten. Dann ging er nach dem Stadttor und wartete dort auf die Ankunft des Báb. Als er zu genannter Stunde den Horizon: absuchte, erspiihte er in weiter Entfernung einen Trupp Reiter. Wie er nun ihnen encgegeneilte, erkannte er den Bab, umgeben Von Seiner berittenen Gefolgschaft. Alles War genau so, wie er es die Nacht zuvor in seinem Traum gesehen hatte. Und so war der Báb drei Tage lang sein Gast, obwohl vorher noch einige Schwierigkeiten iiberwunden werden mussten, denn die beiden Fiihrer der Reitertruppe hatten den Befehl, auf ihrem Ritt nach Ṭihrán nur ausserhalb der Toren der Stiidte ihre Zelte aufzuschlagen. Einer der beiden willigte sofort ein, docb der andere konnte sich nicht dazu entschliessen. Schliesslich gab auch er seine Zustimmung, da er iiberzeugc wurde, dass der Báb nacb drei Tagen mit ihnen wciterziehen werde nach Ṭihrán. In dieser kurzen Zeit batten einige Seiner Jiinger Gelegenheit, mit Ihm zusammenzusein und

‘ auch andere konnten mit; der grossen Gottes botschaft bekannt gemacht werden. Erstaunlich war es immer, mit welcher Ehrfurcbt und Liebe Ihn die, die beauftragt waren Ihn zu iiberwachen, umgaben. Grosse Freiheit wurde Ihm stets gewiihrt, sodass Er sich selten als Gefangener ffihlte. So gross und stark war das Vertrauen einiger in Ihn, dass sie, als eines Nachts das Zelt des Bab leer vorgefunden wurde, zu den darob erregten Wachen folgendes sagten: “Warum seid ihr in Verwirrung? Stehen Seine Griisse und Sein Seelenadel noch nicht geniigend euch vor Augen, um euch davon zu fiber [Page 672]672

zeugen, dass Er niemals es zulassen Wiirde, dass um Seiner eigenen Sicherheit willen andere in Verlegenheit kamen? Er hat sich olme Zweifel in der Stille der Mondnacht an einen Ort zuriickgezogen, wo Er ungesttirt mit Gott verkehren kann. Ohne Frage wird Er in Sein Zelt zuriickkehren. Er wird uns niemals verlassen.” Kurz darauf gewahrten sie im Zwielicht des Morgengrauens in der Ferne die einsame Gestalt des Bab, die auf das Lager Richtung hielt. Vor der ernsten Griisse und dem strahlenden Angesicht, das er an diesem Morgen zeigte, wagte niemand nach dem Ziel dieses niichtlichen Ganges und nach dem Grunde der so auffallenden Veriinderung in Seinen Worten und in Seiner Haltung zu fragen.

Durch die zunehmende Beliebtheit des Bab unter der Bevélkerung schwoll der Hass vieler Geistlicher immer mehr an. Sie enthielten sich allerdings‘ offencr Fcindseligkeit, streuten dafiir aber umsomehr Wilde Geriichte aus. Ihr Hass ging so weit, dass sie ein Schriftstiick verfertigten, in dem die Verurteilung des Bab zum Tode enthalten war. Dieses Schriftstiick wurde von fast allen Geistlichen der Stadt Iṣfahán unterzeichnet. Der Báb war in dieser Zeit der Gast des dortigen Statthalters, und als dieser Von dem grausamen Plan héirte, entschloss er sich, die Ausfiihrung dieser schrecklichen Tat durch sein Eingreifen zu verhindern. Er gab deshalb sofortige Anweisung, den Bab gegen Sonnenuntergang in Begleitung von 500 Reitern aus den Toren der Stadt hinauszugeleiten und in Richtung Tihran zu reiten. Er gab den Befehl, dass jedesmal nach einer bestimmten Strecke ein Teil der Reiter nach Iṣfahán zuriickkehren solle, bis noch 20 Reiter mit dem Bab Waren. Davon sollen 10 in Staatsgeschaften weitcr, wiihrend die letzten 10, alles zuverlassige und erprobte Manner, mit dem Báb wieder nach Iṣfahán zuriickkehren sollten. Vor Tagesanbruch mussten sie wieder dort eintreffen und den Bab dis zu dem Wohnsitz des Statthalters geleiten. Dort wurde er durch einen Seiteneingang in die Privatraume gefiihrt. Der Statthalter war von grosser Liebe gegen den Bab erfiillt und anerkannte Seine gross Offenbarung. Sein Wunsch war es, seine grossen Reichtiimer in den Dienst der Sache Gottes zu stellen. Alle seine Beziehungen


wollc er beniitzen, urn den Kiinigen und Regenten der Erde von der neuen Gottesbotschaft Kunde zu tun und ihr Interesse dafiir zu wecken. Auf dieses edle Vorhaben erwiderte der Bab: "Eine solch ehrenhafte Absicht bedeutet mehr fiir Mich, als deren Ausfiihrung selbst. . . . Jedoch nicht durch diese Mittel, die du dir so schéin vor Augen stellst, wird die allmiichtige Vorsehung den Sieg ihres Glaubens vollziehen. Durch die Armen und Niederen in diesem Land, durch das Blut, das sie auf Seinem Pfade vergossen haben werden, wird der allmachtige Herr die Erhaltung Seiner Sache sicherstellen und ihre Grundlage befestigen!” Als der Statthalter das Herannahen seines Todes fiihlte, machte er sein Testament, in welchem er seinen ganzen Besitztum als dem Báb eigen erklarte. Nach seinem Tod entdeckte sein Neffe das Testament, das er in seiner Habgier vernichtete. Bald darnach entdeckte er auch den Aufenthalt des Bab im Hause seines Onkels und machte davon umgehend dem §bah Mitteilung. Der Sháh, von der Treue des verstorbenen Statthalters iiberzeugt, vermutete richtig, dass dieser nur eine giinstige Gelegenheit hatte abwarten Wollen, um ihn mit dem Bab Ziisammen zufiihren. Er befahl daher, den Bab heimlich nach Tihran zu geleiten. Als aber der Grossvezier Hájí Mírzá Aqasi, zu dessen Ohren auch die iiblen Geriichte der Geistlichen gedrungen waren, von der bevorstehenden Zusammenkunft des shah mit dem Báb héirte, machte er alle Anstrengungen, diese zu verhindern. Denn dieser selbstsiichtige Staatsmann fiirchtete um seine Stellung, falls der s_1_:ah der Offenbarung des Bab gréissere Beachtung schenken wiirde. Es gelang ihm, den §l_1ah zu bceinflussen, denn wahrend der Báb auf den Bescheid des §1_1ah wartete, der den Ruf, in seine Gegenwart zu kommen, cnthalten sollte, erhielt er einen eigenhandig geschriebenen Brief desselben, der ausserst héiflich abgefasst war, aber doch eine Absage fiir ein Zusammentreffen enthielt. Er driickt darin aus, dass es ihm nicht vergiinnt sei, Ihm zu begegnen, da er vor der unmittelbaren Abreise aus Tihran stehe. Sein Wunsch gehe dahin, dass er zu der Burg Mah-K1’: geleitet werde. Dem Burgwart seien schon die niitigen AnWeisungen gegeben Worden, Ihn mit Hochacho

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tung und Riicksicht zu behandeln. Der Grossvezier hatte damit das erreicht, was er gewiinscht hatte, néimlieh den Báb in einen entfernten, abgelegenen Winkel des Reiches versetzen zu lassen, und somit Seinen Einfluss auf die Bevolkerung und vor allem auf den Shih zu verringern, wenn nieht ganz unmoglich zu machen. Wie sehr hatte sich dieser Staatsmann getiiuscht, und welehen Segen hatte er seinem Herrseher und damit aueh dem Volke vorenthalten. Wenig ruhmvoll waren seine weiteren Lebensjahre und kiimmerlich sein Ende. Er verlor kurze Zeit darauf das ganze Vertrauen des Shih und fiel in seine Ungnade. Sein ganzer Besitz wurde vom Staat eingezogen. Er wurde aus der Residenz verbannt und fiel seinem Ungliick und seiner Armut zum Opfer. Aller Hoffnung beraubt und im Blend versunken, siechte er der Stunde seines Todcs entgegen.

Die weitere Gefangenschaft des Bib War nun in Mih-K11 und in der Feste Qbihriq. Die Wirter, die Ihn bewachten, mussten immer wieder gewechselt werden, da sie sich schon nach kurzer Zeit zu Seinen Freunden gewandelt hatten und Seinen Glauben annahmen. In Q_l_1ihriq erwartete Er mit ruhiger Ergebung den Befehl, der Ihn nach Tabríz rufen sollte, denn Er wusste, die Zeit Seiner schwersten Leiden, die in dieser Stadt fiber Ihn kommen wiirden, stand Ihm unmittelbar bevor. Auf der Reise nach Tabríz wurde Er in einer Stadt Von einem dort wohnhaften Prinzen empfangen, der Ihm auch herzlichste Gastfreundschaft gew'a'hrte, und befahl allen, Ihm mit gebiihrender Ehrerbietung zu begegnen. “An einem Freitag, als der Báb zu dem offentlichen Badehaus ging, befahl der Prinz seinem Reitknecht, Ihm sein wildestes Pferd zum Reiten anzubieten, da er neugierig den Mut und die Kraft seines Gastcs zu priifen gedachte. In der Besorgnis, dass dem Báb ein Ungliick zustossen konnte, machte sich der Reitknecht verstohlen an Ihn heran und suehte Ihn dazu zu bewegen, es abzulehnen, das Pferd zu besteigen, das die tapfersten und geschicktesten Reiter abgeworfen hatte. "Fiirchte dich nicht,” war die AntWort des Báb, "tue, wie dir befohlen und empfiehl uns dem Schutz des Allm'ichtigen.”

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Die Einwohner der Stadt batten von des Prinzen Vorhaben Kenntnis erhalten und fiillten voll Neugier die Strassen und Pliitze, durch die der Báb reiten musste. Wie gross war aber ihr Staunen, als sie Ihn auf dem als so wild bekannten Pferde ruhig daherreiten sahen. In ihrer einfachen Art nahmen sie dieses Geschehen als ein Wunder und als der Báb vom Bade wieder zum Haus des Prinzen ritt, furde er Von der begeisterten Volksmenge bestiirmt. Andere holten bis auf den letzten Tropfen von dem Wasser, das Ihm zur Abwasehung gedient hatte und dem sie Wunderwirkung zuschrieben.

Die Bewohner von Tabríz erwarteten voll Ungeduld und Freude die Ankunft des Báb, denn viele Waren in dieser Stadt von Seiner Botschaft iiberzeugt.

Die Regierung hatte ob der grossen Begeisterung schwere Bedenken fiir die Rube der Stadt und sic beschloss, den Bib ausserhalb der Stadt in Gewahrsam zu halten. Doeh dieser Befehl verfchlte ganz seine Wirkung, die Erregung wurde noch grosser und die Situation, die bereits drohend geworden war, verschiirfte sich noch rnehr. Der neue Beschluss lautete deshalb, den Báb vor die versammelten hohen Geistlichen zu fiihren, denen Er sich zu verantworten habe. Als Er in die Versammlung gefiihrt Wurde, hatte schon die Volksmenge den Eingang der

’ Halle besetzt, und wartetc ungeduldig auf

den Augenblick, in dem sie Sein Angesicht sehen wiirden. In dieser Versammlung erkliirte der Báb offentlich, dass Er der Eine Verheissene sei. Er musste darnach Beschimpfungen hiisslicher Art iiber sich ergehen lassen, denn vor allem Mulli Muhammad War gegen Ihn und stachelte die andern zum Widerspruch auf. So verlief diese Versammlung fruehtlos. Doeh das Feuer auf beiden Seiten, fiir und gegen Ihn, loderte weiter. Nach kurzer Zeit zog die Unruhe unter der Bevolkerung die Aufmerksamkeit der Staatsbeamten auf sich, die aber zugunsten der Geistlichen, also der Feinde des Bib, handelten. Doeh je grosser die Zahl der Feinde wurde und je mehr Demiitigungen und Leiden sie fiir den Báb und Seine Anhinger ersannen und ausiibten, umsomehr verbreitete sich die Gottesbotschaft. So hatte man gehofft, dureh die Verhiirung des Báb in Tabríz Seine Lchre zu ersticken, da [Page 674]674

fiir aber wurde sie um, so tiefer in den Herzen der Gliiubigen gegriindet.

Immer enger spann sich das Netz der Feinde, die dem Bib sogar nach dem Leben trachteten. Mitte des Jahres 18S0~waren ihre grausamen und niedertriichtigen Bestrebungen mit iiusserem Erfolg gekrént: das Leben des Báb wurde mit irdischer roher Gewalt ausgeliischt. Niemand der fiihrenden Hiiupter von Tabríz fiihlte sich veranlasst, diesem von keinem Gericht bestitigten Todesurteil entgegenzutreten. Den Geistlichen, denen der Báb vorgefiihrt Werden sollte, liessen Ihn nur von einem Diencr abfertigen, der auch dem begleitenden Wichter die Bestéitigung des Todesurteils aushiindigte. So hatte der Báb nirgends mchr Gelegenheit, sich zu rechtfertigen. Er Wurde in Gewahrsam von Sém I_$_l_1én gegeben, der sich aber in wachsendem Masse dutch das edle Betragen seines Gefangenen ergrifien fiihlte. Grosse Furcht kam fiber ihn, es kénnte sein Handeln den Zorn Gottes auf ihn herab beschwiiren. Er erkliirte dem Báb, dass er keine b6se Absicht gegen Ihn hege, und dass, wenn Seine Sache die Sache der Wahrheit ist, Er es ihm erméiglichen solle von der Verpflichtung, Sein Blut zu vergiessen, befreit zu werden. Der Báb erwiderte ihm, seinen Auftrag zu befolgen und dass, wenn seine Absicht aufrichtig ware, ihn der Allmiichtige sicherlich aus seiner Verwirrtheit erlijsen kiinne.

In der letzten Nacht Seines Lebens hatte der Báb eine wichtige Unterredung mit Siyyid Ijiusayn, die auf strengen Befehl unterbrochen Werden musste. "Nicht ehe Ich ihm all das gesagt habe, was Ich zu sagen wiinsche,” warnte der Báb den wachthabenden Beamten, "vermag irdische Macht Mir Schweigen zu gebieten. Steht auch die ganze Welt in Wafien gegen Mich, so wird sie doch machtlos sein, Mich davon abzuhalten, bis auf das letzte Wort Meine Absicht zu vollbringen.”

An dem Nagel, der in einen Pfosten geschlagen wurde, wurden 2 Seile befestigt, an denen der Báb und Sein Gefiihrte angehiingt werden sollten. Der Gefiihrte des Báb, Mirzá Muhammad-‘Ali, der ausersehen war, mit Ihm den M'a'rtyrertod zu sterben, bat Sém I_f._l_1én, das Seil so zu befestigen, dass sein eigener Ktirper den des Báb schiit


zen wiirdc. Er wurde so angebunden, dass sein Haupt auf der Brust seines Meisters ruhte. Als dies geschehen war, marschierte ein Regiment Soldaten in drei Gliedern auf, ein jedes 250 Mann. Ein jedes erhielt den Befehl der Reihe nach zu feuern, bis die ganze Abteilung ihre Salven abgegeben hatte. Der Rauch des Abfeucrns von 750 Gewehren war so stark, class er das Licht des Nachmittags in Finsternis verwandelte. . . . Als nun die Rauchwolke sich verzogen hatte, starrtc eine erstaunte Volksmenge auf ein Bild, das ihre Augen kaum glauben wollten: da stand vor ihnen, lebend und unversehrt der Gefiihrte des Báb, wfihrend Er selbst unverletzt ihren Blicken entschwunden war. Obgleich die Seile, mit welchen die beiden befestigt waren, von den Kugeln in Stiicke zerrissen waren, so Waren doch ihre Kiirper auf wundersame Weise den Salven entrannen. Selbst das Gewand, das der Jiinger trug, war trotz der Dichte des Rauches unbefleckt geblieben. “Der Siyyid—i-Báb ist unsern Blicken entschwunden!” ertbnten die Rufe aus der bestiirzten Menge. Wie wahnsinnig eilten sie nach Ihm zu suchen und fandan Ihn schliesslich in demselben Raume sitzend, den Er in der Nacht zuvor bewohnt hatte, im Begriff, Seine unterbrochenc Aussprache mit Siyyid Husayn abzuschlicssen. Der Ausdruck ungetriibter Ruhe lag auf Seinem Gesicht, Sein Kiirper war unversehrt aus dem Kugelschauer, den das Regiment gegen Ihn entsandt hatte, entkommen. “Ich habe Meine Unterredung mit Siyyid Husayn beendet,” sagte der Báb zu dem Beamten, "jetzt kannst du daran gehen, deine Absicht auszufiihren.” Der Mann war zu erschiittert, urn noch einmal anzufangen, was er schon unternommen hatte. Er weigerte sich, seine Pflicht zu tun, verliess im gleiehen Augenblick den Platz und quittierte seincn Dienst.

Sém Khán war ebenfalls crschiittert durch die Macht dieser furchtbaren Enthiillung. Er befahl seiner Mannschaft, die Baracken sofort zu verlassen, und weigerte sich, mit seinem Regiment sich noch auf irgend einen Akt letzter Gewalttat einzulassen. Beim Verlassen des Hofes schwor er, niemals mehr mit diesem Auftrag etwas zu tun haben zu wollen und sollte er sogar seine Weigerung mit dem Leben biissen miissen.

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Kaurn war Sam Khán abgezogen, als der Oberst der Leibwache, unter dem Namen I_{__}_iamsih und Nagiri bekannt, sich freiwillig zur Verfiigung stellte, den Hinrichtungsbefehl auszuffihren. An derselbcn Wand und in derselben Weise wurde der Báb und sein Gefahrte wieder festgebunden, wéihrend das Regiment aufmarschierte um Feuer zu geben. Entgegengesetzt dem ersten Male, wo nur das Seil, mit dem sic festgebunden waren, in Stficke gescbossen ward, wurden diesesmal ihre Kfirper zerschmettert. Als das Regiment zur letzten Salve aufzog, waren die letzten Worte des Báb an die gafiende Menge gewesen: "Hiittest du an Mich geglaubt, o eigensinniges Geschlecht, ein jeder Wiire dem Beispiel dieses Jfinglings gefolgt, der dem Range nach fiber den meisten Von euch stand und freiwillig sich auf Meinem Pfade opferte. Der Tag wird kommen, da Ihr Mich erkannt haben werdet; an jenem Tage werde Ich nicht mehr unter euch sein.”

Genau in dem Augenblick, da die Scbfisse abgefeuert Wurden, erhob sich ein Sturm von ungewfihnlicher Gewalt und fegte fiber die ganze Stadt. Ein Staubwirbel von unglaublicher Dichte vcrfinsterte das Sonnenlicht und blendete die Augen des Volkes. Die ganze Stadt blieb in diese Finsternis gehiillt vom Nachmittag bis zur Nacht. So seltsam dieses Phanomen war, das dem noch erstaunlicheren, dass das Regiment Sam I__{_béns den Báb unversehrt gelassen hatte, auf dem Fusse gefolgt War,-—-es vermochte die Herzen des Volkes in Tabríz nicht zu bewegen noch sie innehalten und fiber die Bedeutung solch wichtiger Geschehnisse nachdenken lassen.

All diese Geschehnisse sind nur ein Ausschnitt aus dem bedeutenden Leben des Báb, und als Er am 9. Juli 1850 im Alter von 31 Jahren mit roher Gewalt diese Erde ver 675

lassen musste, war nur wenigen Menschen die Grfisse und Erhabenbeit dieses Von Gott Erwahlten bekannt. Diese Wenigen aber glaubten an Ihn mit einer Kraft und Stiirke, die Berge versetzen kiinnten. Sic waren mit Ihm aufs innigste verbunden durch sein kurzes Leben geschritten und batten ffir Ihn und Seinen geoffenbarten Glauben in Worten und heroiscben Taten gekampft. Fest entschlossen, alle Leiden, und derer waren es viele, fiber sich ergeben zu lassen um Seinetwillen, trugen sie ‘die “Frohe Botschaft” hinaus Von einem Ort zum andern. So klein und unbedeutend der Anfang dieses Glaubens auch scbien, so war ihm trotz allen Schwierigkeiten cine grosse Zukunft vorbebalten. Denn als jener, den Gott offenbaren wcrde, und dem der Báb nur Wegbereiter zu sein prophezeite, Seine grosse Sendung Von Gott kund tat, verbreitete sich der Bahá’í-Glauben trotz fast immerwiihrender Gefangenschaft Bahá’u’lláh’s in kurzer Zeit auf dem ganzen Erdenrund. Grosse Gnade ist der Menschheit widerfahren dutch die Verkfindigung des Wortes Gottes dutch den Bab und Bahá’u’lláh und dessen Auslegung durch ‘Abdu’l-Bahá. Und diese grosse Gnade Gottes, wie wurde sie Von den Menschen entgegengenommen? Trauer bieht in unset Herz, wenn wir daran denken, dass das junge, edle Leben des Báb wie das eines Verbrechers ausgelfischt wurde und dass Bahá’u’lláh und ‘Abdu’l-Bahá 40 Jahre gefangen und davon den grfissten Teil in schwerstem Kerker gelegen haben. Doch dieser heroische Tod des Bab, Sein eindruckvolles Leben und Seine Offenbarung bahnten den Weg zu der unfassbar grossen Verkfindigung des Wortes Gottes durch Bahá’u’lláh.

So ist der tiefe Schatten, der mit dem 9. Juli 1850 auf das Menschengeschlecht fiel, zugleich auch ein verheissungsvoller Bote des Lichts, das Gott in Bahá’u’lláh den

Menschen sandte.